20er Jahre Mode

Damenmode der 20er Jahre

Die Mode der 20er Jahre erlebt seit der Neuverfilmung des Films „The Great Gatsby“ im Jahr 2013 ein absolutes Revival. Und auch einige Jahre später ist der charismatische Stilmix aus Emanzipation und Glamour angesagt wie nie. Neben den typischen Cocktailkleidern sind es vor allem die auffälligen Accessoires, die den Look der 20er Jahre Mode ausmachen. Aber was ist eigentlich so besonders an dem 20er Jahre Style? Und wie hat er sich entwickelt?

Die „Goldenen Zwanziger“ - ein aufregendes Jahrzehnt

Die 20er Jahre waren wirklich eine aufregende und einflussreiche Zeit. Der erste Weltkrieg mit seinen Entbehrungen und den zahlreichen traumatisierten Kriegsopfern lag noch nicht weit zurück und wirkte zu Beginn der 20er Jahre spürbar nach. Erst ab etwa 1924 verbesserte sich die Lage durch den wirtschaftlichen Aufschwung rapide. Die Konjunktur brummte, sodass nicht nur Deutschland eine kulturelle, künstlerische und wissenschaftliche Blütezeit erlebte. Kein Wunder also, dass dieser Zeitraum auch als „Goldene Zwanziger“ oder „Golden Twenties“ bezeichnet wird.

Den Menschen ging es gut und eine rasante, lebensbejahende Einstellung durchzog das Jahrzehnt. Vor allem das Selbstverständnis der Frau änderte sich rapide. Diese zunehmende Emanzipation der Frau und ein neuer Freiheitsgedanke beeinflussten nicht nur die zeitgenössische Kunst, sondern ebenso den Style und die Kleidung der Frauen und auch der Männer. Doch wie unterschieden sich modisch die Frauen der 20er Jahre von der vorherigen Generation? Und was waren die markantesten Merkmale eines 20er Jahre Outfits?

Das neue Selbstverständnis der Frau beeinflusst die Mode

Die Frauen der 20er Jahre erlebten eine nie gekannte Freiheit. Diese neu gewonnene Freiheit äußerte sich nicht nur in der Lust zu feiern, sie zeigte sich auch in der charakteristischen Mode einer 20er Jahre Frau. Der Kleidungsstil näherte sich dem maskulinen Look an und betonte so den emanzipierten Lebensstil der Frauen. So strebten die Frauen der 20er Jahre nicht nur beruflichen Erfolg an, sie rauchten und tranken auch und flirteten ungeniert mit den Männern. Zu den charakteristischen Frauentypen der 20er Jahre zählt das „Flapper Girl“ oder die „Garconne“. Beide Bezeichnungen beschreiben den gleichen Frauentyp, wobei das „Flapper Girl“ dem amerikanischen Raum zugeordnet wird und die „Garconne“ vor allem die typische 20er Jahre Frau Frankreichs und Europas bezeichnete.

Der Look des „Flapper Girls“ und der „Garconne“

Die Frauen der 20er Jahre näherten sich nicht nur in Ihrem Verhalten den Männern an, auch der Look wurde zusehends maskuliner. Während das vorher übliche Korsett noch die weiblichen Kurven einer Dame betonte und in den Vordergrund rückte, trugen Frauen nun eher gerade geschnittene Cocktailkleider, in denen die Taille entweder verschwand oder sehr tief saß. Als typisches Kleidungsstück der „Flapper Girls“ wird ein solches Kleid auch heute noch Flapper Kleid genannt. Die Entledigung des Korsetts symbolisierte übrigens nicht nur die Abkehr von auferlegten Zwängen. Schließlich konnten sich die Frauen ohne ein unbequemes Korsett freier bewegen und ungezwungen den Charleston tanzen, dem typischen Tanz der 20er Jahre. Grundsätzlich prägten gerade Schnitte und bubenhaft wirkende Styles den Kleidungsstil der Goldenen Zwanziger.

Trotzdem verzichteten die Damen der 20er Jahre nicht auf eine gewisse Freizügigkeit. So waren der Rücken und die Schultern oftmals frei und auch der Rock war meist nicht länger als knielang. Zwar gehört es zur Etikette helle Strümpfe zu tragen, doch manch junge Frau krempelte diese bis unter das Knie. In Kombination mit dem unkonventionelle Verhalten der Frauen, sorgte der Style der 20er Jahre so für manchen Skandal. Abgerundet wurde der jungenhafte Stil durch den berühmten Bubikopf der trendbewussten Frauen. Vorreiterin dieser extravaganten Frisur war übrigens bereits 1917 Coco Chanel. Um den oftmals als sehr markant empfundenen Stil etwas abzumildern wurden die Haare gerne in Wellen getragen. Auch zahlreiche Accessoires ließen den maskulinen Look etwas weicher wirken.

Hüte, Federboas und Stirnbänder mit Glamfaktor – die Accessoires der „Roaring Twenties“

Bei der Wahl der Accessoires wurde nicht an Glamour und Glitzer gespart. Obwohl die Schnitte der Flapper Kleider meist recht schlicht waren, unterschieden sich die Modelle in der Wahl der Stoffe und den dekorativen Details. Schärpen und Schleifen zogen gekonnt die Blicke auf sich. Für zusätzliches Funkeln sorgten Glasperlen und eingearbeitete Seidenfasern. Gerade am Abend wurde der Look mit auffälligen Federboas und verzierten Stirnbändern aufgewertet. Ein exotischer Fächer rundete die Abendgarderobe stimmig ab.

Zu den markantesten Accessoires der 20er Jahre Mode gehört ohne Frage die „Cloche“, französisch für Glocke. Die Form und der Sitz des Hutes erinnerten tatsächlich an eine Glocke. Die „Cloche“ wurde tief ins Gesicht gezogen und berührte bestenfalls die Augenbrauen. Zudem lag der randlose Hut eng an und griff so die schmalen Schnitte der Kleider wieder auf. Auch die „Dorothy Bag“ gehörte zu einem vollständigen Look der 20er Jahre. Die Handtasche erinnerte an einen Beutel mit kleinem Henkel und ergänzte farblich den Rest des Outfits. Meist war sie mit Pailletten oder Perlen bestickt und beinhaltete die wichtigsten Dinge einer trendbewussten Frau der 20er Jahre. Aufgrund der kurzen Röcke rückten auch die Schuhe der Damen stärker in den Fokus.

Meist wurden Spangenschuhe oder Stegspangenschuhe getragen. Während die Alltagsschuhe eher schlicht waren und lediglich durch Lochmuster modische Akzente setzen, waren die Schuhe für den Abend oft mit Strass, Perlen oder Ähnlichem besetzt. Nachdem der Stil der Frauen in den 20er Jahren einen deutlichen Wandel durchlief, stellt sich die Frage, wie die Herren der 20er Jahre gekleidet waren. Erlebte die Herrenmode ebenfalls einen Stilwandel?

Sportlich oder elegant? Die 20er Jahre Mode der Männer

Während der Style der Frauen stark vom Emanzipationsgedanke beeinflusst wurde, zeigte sich die Mode der Männer zunehmend sportlicher. Dies ist kaum verwunderlich, schließlich ging es der Bevölkerung aufgrund des Wirtschaftsaufschwung so gut, dass Zeit für sportliche Aktivitäten blieb. So wurde die Clubjacke ebenso salonfähig wie die Knickerbocker. Zum trendigen Hingucker wurde der Style durch auffällige Kniestrümpfe oder Pullover im Norweger Look.

Eine längere Jacke rundete das trendbewusste Outfit eines 20er Jahre Mannes ab. Am Abend wechselte der Mann in einen eleganten Smoking und weite, aber gerade Hosen. Die Schuhe waren eher schlicht und als Accessoires dienten Hut und Handschuhe. Zudem setzen sich vor allem in den höheren Schichten bunte Krawatten immer mehr durch. Die Haare wurden mit viel Pomade nach hinten gestylt und der trendbewusste Mann rasierte sich. Im Gegensatz zum Style der Frauen, wandelte sich der Look der Männer weniger stark und provozierte kaum.

Kurzweiliger Trend oder modischer Dauerbrenner? – das Revival der 20er Jahre Mode

Die Mode der 20er Jahre beeinflusst auch heute noch die aktuelle Mode. Dies zeigt sich nicht nur an den vielen paillettenbesetzten, funkelnden Accessoires, auch Spangenpumps und gerade geschnittene Cocktailkleider sind nicht mehr aus der aktuellen Mode wegzudenken. Berücksichtigt man den emanzipatorischen Stellenwert der damaligen Kleidung, zeigt sich, welche Symbolkraft Mode verkörpern kann.