1920er Lookbook & Styling
Inhaltsverzeichnis
Die 1920er revolutionierten die Mode mit einem radikalen Bruch zu viktorianischen Konventionen. Die „Golden Twenties“ brachten eine Ära der Freiheit, in der Frauen erstmals Hosen trugen, Röcke verkürzten und androgyn Looks salonfähig wurden. Das ikonische Erscheinungsbild der Ära kombinierte geometrische Formen mit opulenten Details.
Glitzernde Fransenkleider, breitkrempige Hüte und markante Accessoires definierten den Charleston-Look, der bis heute als Inbegriff des dekadenten Jazz Age gilt. Die Mode der 20er war mehr als Kleidung – sie war Ausdruck einer neuen, selbstbewussten Generation.
Gesellschaftlicher Hintergrund
Die Prohibition in den USA schuf eine geheime Kneipenkultur, in der Jazz, Tanz und exzessive Partys dominierten. Diese subkulturelle Szene entwickelte ihren eigenen Dresscode: aufwendige Abendgarderobe, die Bewegungsfreiheit für Tänze wie den Charleston bot. Gleichzeitig förderte die aufkommende Massenproduktion die Verbreitung modischer Trends.
Der Einfluss der Avantgarde-Kunst, insbesondere des Art déco, prägte die Ästhetik der Mode. Geometrische Muster, exotische Materialien und eine Faszination für „Fremdes“ – von ägyptischen Motiven bis zu afrikanischen Stammeskunst – wurden zu stilistischen Markenzeichen. Die Mode wurde zum Spiegel einer global vernetzten, optimistischen Gesellschaft.
Charakteristische Styling-Merkmale

- Drop-Waist-Kleider: Die gerade Silhouette mit tief sitzendem Taillenband betonte die schlanke, androgyn Figur und ermöglichte freie Bewegung beim Tanzen. Oft mit Fransen oder Pailletten verziert für glamouröse Abende.
- Bob-Frisur & Cloche-Hut: Der kurze Bubikopf symbolisierte die Emanzipation, während der glockenförmige Filzhut das Gesicht eng umschloss und zu einem Markenzeichen der Epoche wurde.
- Art-déco-Schmuck: Geometrische Colliers, lange Perlketten und Brochen mit Chrom- und Emaillearbeiten setzten glänzende Akzente. Besonders beliebt waren „flapper“-Ketten, die bis zur Taille reichten.
- T-Strumpf-Pumps: Die schuhähnlichen Pumps mit mittlerem Absatz und durchsichtigen Einsätzen zeigten erstmals strategisch Haut. Oft in Kombination mit aufwendig bestickten Strümpfen.
- Fur-Boa & Stola: Kurze Schals oder Stolen aus Pelz (echt oder künstlich) verliehen Outfits Luxus und Wärme. Besonders bei Abendveranstaltungen unverzichtbar als Statussymbol.
- Clutch-Bags: Kleine, handgehaltene Taschen ohne Träger aus Samt oder Brokat ergänzten Abendoutfits perfekt. Oft mit Perlenstickereien oder Kristallverzierungen.
Einflussreiche Designer & Styling-Strömungen
Coco Chanel: Die französische Designerin revolutionierte die Frauenmode mit bequemen, eleganten Entwürfen. Sie etablierte das „kleine Schwarze“, führte Jersey als edlen Stoff ein und popularisierte Hosen für Frauen. Ihr Stil verband Luxus mit Alltagstauglichkeit – eine Philosophie, die bis heute die Modewelt prägt. Chanels Betonung von Selbstbewusstsein statt Opulenz machte sie zur Ikone der modernen Frau.
Jean Patou: Als Erfinder des Tenniskleids und Pionier des Sportswear-Looks schuf Patou eine neue Ästhetik der Bewegungsfreiheit. Seine Kollektionen für aktive Frauen kombinierten funktionale Schnitte mit luxuriösen Materialien. Besonders einflussreich war seine Entwicklung des ersten Sonnenöls und die Einführung von Designerparfüms als Statussymbol – sein „Joy“ galt als teuerster Duft der Welt.
Art déco-Bewegung: Diese Designströmung dominierte nicht nur Architektur und Möbel, sondern auch die Mode. Geometrische Muster, starker Kontrast und exotische Einflüsse prägten Stoffdrucke und Accessoires. Besonders bekannt sind die „Egyptian Revival“-Motive nach der Entdeckung des Tutanchamun-Grabes 1922. Der Stil verband Moderne mit einem Hauch von Mystik und Dekadenz.
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Warum die 1920er-Looks heute noch inspirieren
Die Ästhetik der 1920er erlebt regelmäßig Revivals, weil sie zeitlose Prinzipien verkörpert: Eleganz in der Einfachheit, Selbstbewusstsein durch Stil und die Fusion von Komfort mit Glamour. Designer wie Gucci oder Prada reinterpretieren regelmäßig Drop-Waist-Silhouetten, Fransenkleider und Art-déco-Elemente. Besonders auf roten Teppichen und bei Galas finden sich immer wieder Anspielungen auf die dekadente Eleganz der Jazz Age.
Darüber hinaus sprechen die Werte hinter der Mode moderne Generationen an. Die Betonung von Individualität, Geschlechterfluidität und die Brechung von Konventionen resoniert mit heutigen Diskussionen über Identität und Selbstbestimmung. Die 1920er zeigen, dass Mode mehr ist als Kleidung – sie ist ein kraftvolles Statement für gesellschaftlichen Wandel und kreative Freiheit.
FAQ
- Wie stylt man ein authentisches 1920er-Outfit heute?
- Kombinieren Sie ein gerades Kleid mit Fransen oder Pailletten mit einem Cloche-Hut und T-Strumpf-Pumps. Wichtige Accessoires sind lange Perlketten, ein Clutch und ein Bob-Frisur oder geflochtener Zopf. Für Männer eignen sich hochgeschlossene Anzüge mit Nadelstreifen, ein Fliegenkragen und ein Filzhut. Make-up sollte betont sein: dunkle Augenlippen und dünne, stark gezeichnete Augenbrauen.
- Welche Materialien waren typisch für die 1920er-Mode?
- Beliebte Stoffe waren Seide, Samt, Crepe de Chine und Jersey für Kleidung. Accessoires wurden oft aus Leder, Pelz (echt oder künstlich) und Metall verarbeitet. Besonders charakteristisch waren glitzernde Details: Pailletten, Perlen, Kristalle und Stickereien mit Metallfäden. Für Tagesoutfits kamen auch Baumwolltwill und Wolle zum Einsatz, während Abendgarderobe stets luxuriös glänzte.
- Wie unterscheidet sich die Mode der frühen und späten 1920er?
- Die frühen 20er (bis 1925) zeigten noch Übergänge zur Edwardianischen Ära mit längeren Röcken und weicheren Silhouetten. Ab Mitte des Jahrzehnts dominierte der typische „Flapper“-Stil: extrem kurze Röcke, gerade Schnitte und betont androgyn. Die späten 20er brachten dann eine Rückkehr zu feminineren Formen mit betonter Taille und längeren Kleidern, beeinflusst durch den aufkommenden Hollywood-Glamour.